Projektauftakt Hintergründe Teil 1: Theater(pädagogik)
Teil 2: Fortbildungen, Trainings und Beratung Ziele und Zielgruppen  

 

Projektauftakt
 

Am 22.02.2005 fand in Hannover eine Projektpräsentation von "Grosse Klappe..." statt.

Aus dem Grußwort von Horst Roselieb, Niedersächsisches Kultusministerium:

„Junge Menschen brauchen Orientierung. Und um sich orientieren zu können, brauchen sie Wegweiser. Wir können ihnen helfen, indem wir klar und unmissverständlich Normen setzen und darauf achten, dass diese Normen auch eingehalten werden. Zugleich muss es darum gehen, die allgemeinen Lebenskompetenzen der jungen Menschen zu fördern und darauf hinzuwirken, dass ihre Persönlichkeit wahrgenommen und wertgeschätzt wird. Mädchen und Jungen sollen und müssen ein starkes Selbstbewusstsein entwickeln und ihre Stärken erkennen können. Das ermöglicht ihnen auch, die Persönlichkeit des Gegenübers bzw. der oder des anderen zu respektieren.“

„Es ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft, zu verhindern, dass junge Menschen zu Gewalttätern werden oder anderweitig mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Eine umfassende solide Erziehung und damit eine wirksame Prävention ist nur gemeinsam von allen Akteuren zu schultern.

„Eine enge Zusammenarbeit der Schulen mit unterschiedlichen Professionen, mit Beratungsstellen, Institutionen und mit Theaterpädagogen kann – das lässt sich vielfach belegen - sehr hilfreich und wirkungsvoll sein und Beiträge dazu leisten, dass sich junge Menschen zu mündigen und konfliktfähigen Persönlichkeiten entwickeln.“


 
Aus dem Vortrag „Prävention mit Theater?!“ von Sigrid Maier-Knapp-Herbst, Präsidentin der Klosterkammer Hannover:

„Theater öffnet Horizonte und Erlebniswelten, es öffnet den Blick für unentdeckte Potenziale und verdrängte Emotionen. Für die Gewaltprävention liegen hier viele Chancen: Rollenspiel und Rollentausch, Rollendistanz und Rollenvielfalt ermöglichen einen kreativen Umgang mit der Opferrolle und der Täterrolle – und auch mit der Rolle des bzw. der Strafenden...“

„Theaterpädagogik kann Mädchen und Jungen ermutigen, ihre Identitätsbalance zu entwickeln – die Balance zwischen social identity – so sein wie jeder andere - und personal identity – so sein wie kein anderer!“

„Theater heißt einerseits ‚die Bretter, die die Welt bedeuten’ - und andererseits ist es der Schonraum und Spielplatz, der Experimente erlaubt. Experimente mit Konflikten, mit nonverbaler Kommunikation und mit Gefühlen... Empathie und soziale Kompetenz, Selbstwertgefühl und die Wertschätzung gegenüber anderen können „theatralisch“ ausgestaltet, aber auch alltagstauglich realisiert werden.“

 

 

Hintergründe
 

Gewalt zwischen Kindern und Jugendlichen ist relativ gut erforscht. Viele Studien haben gezeigt,
dass verbale und psychische Formen von Gewalt häufiger vorkommen als körperliche Attacken und
dass das Ausmaß der ausgeübten Gewalt alters-, schulform- und geschlechts--bezogen unterschiedlich ist.

Die Studien haben außerdem nachgewiesen, dass Gewalt unter Kindern und Jugendlichen aus einem Ursachengeflecht entsteht, an dem gesellschaftliche Schieflagen, familiäre Bedingungen, Persönlichkeitsmerkmale und schulische Risikofaktoren beteiligt sind. An diese Erkenntnisse müssen gewaltpräventive Maßnahmen anknüpfen:
Gewaltprävention muss Alltagsgewalt und Mobbing in den Mittelpunkt stellen, sie muss berücksichtigen, dass Kinder und Jugendliche Jungen und Mädchen sind, und sie muss altersbezogene Konzepte entwickeln.
Gewaltprävention mit Kindern und Jugendlichen sollte gleichzeitig kognitive, emotionale und soziale Lernprozesse ermöglichen.
Gewaltprävention an Schulen sollte neben den Kindern bzw. Jugendlichen auch die Lehrkräfte und Eltern einbeziehen.

Das Thema von „Große Klappe…“ ist deshalb nicht die spektakuläre, brutale, offensichtliche Gewalt, sondern die Alltagsgewalt, die ‚kleinen’ Gemeinheiten und Verletzungen, aus denen unter ungünstigen Umständen ‚große’ Gewalt eskalieren kann. Bausteine des Projekts sind:

eine interaktive Szenencollage zum Thema „Gewalt unter Kindern und Jugendlichen“
ein theaterpädagogisches Angebot für die Arbeit mit Schulklassen und Jugendgruppen
Module für die Fortbildung von Lehrkräften und für die Elternarbeit
Beratung und Unterstützung bei der Entwicklung von gewaltpräventiven Konzepten

 

 

Teil 1: Theater(pädagogik)
 

 

Vier TheaterpädagogInnen kommen in die Schule oder in das Jugendzentrum und führen „Große Klappe – stumme Schreie“ auf. Nach der Vorstellung teilen die DarstellerInnen die jugendlichen ZuschauerInnen in vier Gruppen ein und arbeiten mit diesen Gruppen. In dieser theaterpädagogischen Arbeit geht es um die emotionale und kognitive Verarbeitung der Inhalte: Was passiert, wenn Gewalt passiert? Und was, wenn sie nicht passiert?

Aufgabenstellung hier:
1) Verarbeitung der Eindrücke aus der Szenencollage.
2) die theaterpädagogische Erarbeitung eines möglichen Endes je einer der gezeigten Geschichten.

Alle so entstandenen Szenen werden von den ZuschauerInnen im Bühnenbild der Produktion aufgeführt. Zum Abschluss folgt eine Diskussion der Resultate in einem Plenum. Die Mädchen und Jungen können die Resultate vergleichen und besprechen.

Anschließend verabschieden sich die TheaterpädagogInnen...
...aber das Projekt kann weitergehen:

 

 

 

Teil 2: Fortbildungen, Trainings und Beratung
 

Damit die Inhalte des Stücks und die Impulse der Gruppenarbeit vertieft und ausgebaut werden können, bietet „Große Klappe...“ Informationen, Trainings und Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte, Eltern und Kinder/Jugendliche. Praktische Gewaltprävention mit Kindern und Jugendlichen erfordert unterschiedliche und auf die jeweilige Situation abgestimmte methodische Ansätze. „Große Klappe...“ bietet einen Überblick über die einschlägigen Methoden, unterstützt die Arbeit in Schule und Jugendhilfe mit reflektierten, lösungsorientierten Fortbildungs- und Trainingsangeboten.

Themen können sein:

Konfrontative Methoden
Deeskalation
Geschlechtsbezogene Prävention
Interkulturelle Aspekte von Gewalt
Mediation / Konfliktschlichtung
Mobbing
Selbstbehauptung / Selbstverteidigung
Sozialtraining
Zivilcourage
Theaterpädagogik

Gewaltprävention ist kein einmaliges oder kurzfristiges Vorhaben. Sie braucht einen langen Atem zur Entwicklung und Umsetzung von Konzepten und deren langfristiger Absicherung. „Große Klappe...“ will deshalb Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen bei der Entwicklung eines eigenen, an die Situation vor Ort angepassten Gewaltpräventionskonzepts unterstützen.

 

 

Ziele und Zielgruppen
 

Ziele
„Große Klappe…“ soll Mädchen und Jungen ermutigen, sich mit Gewalt und ihren Folgen auseinander zu setzen und (schau)spielerisch zu erproben, wie sie gewaltfrei zurecht kommen können – mit Hilfe von Durchsetzungsvermögen, Konfliktfähigkeit, Einfühlsamkeit und Rücksicht. Das Theatererlebnis und die Gruppenarbeit sollen dafür sensibilisieren und Impulse geben – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

„Große Klappe…“ kann darüber hinaus der Anfang für einen „roten Faden“ der Gewaltprävention sein: als Ausgangspunkt für weitere gewaltpräventive Aktivitäten und für die Entwicklung eines gewaltpräventiven Gesamtkonzepts - eines Gesamtkonzepts, das Mädchen, Jungen, Väter, Mütter und pädagogische Fachkräfte einschließt.

Zielgruppen
„Große Klappe …“ richtet sich an:
Mädchen und Jungen zwischen 10 und 14 Jahren, weil die Entwicklungs-anforderungen in diesem Alter besonders groß sind und leicht zur Überforderung werden können – und weil die Pubertät eine große Chance bedeutet, die Weichen zu stellen für die Entwicklung von Werten und Normen, Identität und Selbstwertgefühl.
Lehrkräfte, Schulleiterinnen/Schulleiter, pädagogische Fachkräfte in der Jugendhilfe, um sie für die alterstypischen Stress-Situationen von Kindern und Jugendlichen zu sensibilisieren und um sie für die Gewaltprävention zu motivieren.
Mütter und Väter, um sie bei der konstruktiven Auseinandersetzung mit der Gewalt zu unterstützen, die ihre Kinder erleben oder ausüben.