Gewalt zwischen Kindern und Jugendlichen ist relativ gut erforscht. Viele Studien haben gezeigt,
• dass verbale und psychische Formen von Gewalt häufiger vorkommen als körperliche Attacken und
• dass das Ausmaß der ausgeübten Gewalt alters-, schulform- und geschlechts--bezogen unterschiedlich ist.
Die Studien haben außerdem nachgewiesen, dass Gewalt unter Kindern und Jugendlichen aus einem Ursachengeflecht entsteht, an dem gesellschaftliche Schieflagen, familiäre Bedingungen, Persönlichkeitsmerkmale und schulische Risikofaktoren beteiligt sind. An diese Erkenntnisse müssen gewaltpräventive Maßnahmen anknüpfen:
• Gewaltprävention muss Alltagsgewalt und Mobbing in den Mittelpunkt stellen, sie muss berücksichtigen, dass Kinder und Jugendliche Jungen und Mädchen sind, und sie muss altersbezogene Konzepte entwickeln.
• Gewaltprävention mit Kindern und Jugendlichen sollte gleichzeitig kognitive, emotionale und soziale Lernprozesse ermöglichen.
• Gewaltprävention an Schulen sollte neben den Kindern bzw. Jugendlichen auch die Lehrkräfte und Eltern einbeziehen.
Das Thema von „Große Klappe…“ ist deshalb nicht die spektakuläre, brutale, offensichtliche Gewalt, sondern die Alltagsgewalt, die ‚kleinen’ Gemeinheiten und Verletzungen, aus denen unter ungünstigen Umständen ‚große’ Gewalt eskalieren kann. Bausteine des Projekts sind:
• eine interaktive Szenencollage zum Thema „Gewalt unter Kindern und Jugendlichen“
• ein theaterpädagogisches Angebot für die Arbeit mit Schulklassen und Jugendgruppen
• Module für die Fortbildung von Lehrkräften und für die Elternarbeit
• Beratung und Unterstützung bei der Entwicklung von gewaltpräventiven Konzepten
| Teil 1: Theater(pädagogik) |
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Vier TheaterpädagogInnen kommen in die Schule oder in das Jugendzentrum und führen „Große Klappe – stumme Schreie“ auf. Nach der Vorstellung teilen die DarstellerInnen die jugendlichen ZuschauerInnen in vier Gruppen ein und arbeiten mit diesen Gruppen. In dieser theaterpädagogischen Arbeit geht es um die emotionale und kognitive Verarbeitung der Inhalte: Was passiert, wenn Gewalt passiert? Und was, wenn sie nicht passiert?
Aufgabenstellung hier:
1) Verarbeitung der Eindrücke aus der Szenencollage.
2) die theaterpädagogische Erarbeitung eines möglichen Endes je einer der gezeigten Geschichten.
Alle so entstandenen Szenen werden von den ZuschauerInnen im Bühnenbild der Produktion aufgeführt. Zum Abschluss folgt eine Diskussion der Resultate in einem Plenum. Die Mädchen und Jungen können die Resultate vergleichen und besprechen.
Anschließend verabschieden sich die TheaterpädagogInnen...
...aber das Projekt kann weitergehen:
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| Teil 2: Fortbildungen, Trainings und Beratung |
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Damit die Inhalte des Stücks und die Impulse der Gruppenarbeit vertieft und ausgebaut werden können, bietet „Große Klappe...“ Informationen, Trainings und Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte, Eltern und Kinder/Jugendliche. Praktische Gewaltprävention mit Kindern und Jugendlichen erfordert unterschiedliche und auf die jeweilige Situation abgestimmte methodische Ansätze. „Große Klappe...“ bietet einen Überblick über die einschlägigen Methoden, unterstützt die Arbeit in Schule und Jugendhilfe mit reflektierten, lösungsorientierten Fortbildungs- und Trainingsangeboten.
Themen können sein:
• Konfrontative Methoden
• Deeskalation
• Geschlechtsbezogene Prävention
• Interkulturelle Aspekte von Gewalt
• Mediation / Konfliktschlichtung
• Mobbing
• Selbstbehauptung / Selbstverteidigung
• Sozialtraining
• Zivilcourage
•Theaterpädagogik
Gewaltprävention ist kein einmaliges oder kurzfristiges Vorhaben. Sie braucht einen langen Atem zur Entwicklung und Umsetzung von Konzepten und deren langfristiger Absicherung. „Große Klappe...“ will deshalb Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen bei der Entwicklung eines eigenen, an die Situation vor Ort angepassten Gewaltpräventionskonzepts unterstützen.
Ziele
„Große Klappe…“ soll Mädchen und Jungen ermutigen, sich mit Gewalt und ihren Folgen auseinander zu setzen und (schau)spielerisch zu erproben, wie sie gewaltfrei zurecht kommen können – mit Hilfe von Durchsetzungsvermögen, Konfliktfähigkeit, Einfühlsamkeit und Rücksicht. Das Theatererlebnis und die Gruppenarbeit sollen dafür sensibilisieren und Impulse geben – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
„Große Klappe…“ kann darüber hinaus der Anfang für einen „roten Faden“ der Gewaltprävention sein: als Ausgangspunkt für weitere gewaltpräventive Aktivitäten und für die Entwicklung eines gewaltpräventiven Gesamtkonzepts - eines Gesamtkonzepts, das Mädchen, Jungen, Väter, Mütter und pädagogische Fachkräfte einschließt.
Zielgruppen
„Große Klappe …“ richtet sich an:
• Mädchen und Jungen zwischen 10 und 14 Jahren, weil die Entwicklungs-anforderungen in diesem Alter besonders groß sind und leicht zur Überforderung werden können – und weil die Pubertät eine große Chance bedeutet, die Weichen zu stellen für die Entwicklung von Werten und Normen, Identität und Selbstwertgefühl.
• Lehrkräfte, Schulleiterinnen/Schulleiter, pädagogische Fachkräfte in der Jugendhilfe, um sie für die alterstypischen Stress-Situationen von Kindern und Jugendlichen zu sensibilisieren und um sie für die Gewaltprävention zu motivieren.
• Mütter und Väter, um sie bei der konstruktiven Auseinandersetzung mit der Gewalt zu unterstützen, die ihre Kinder erleben oder ausüben.